Discworld #1
Der Drache ist los in Ankh-Morpork und bringt Tod und Verwüstung über diese historische Stadt - wenn es auch nicht sicher ist, ob dies ein Unglück oder einen Segen für den Rest der Scheibenwelt darstellt. Was diese Stadt jetzt natürlich am dringendsten braucht, ist ein wagemutiger Held, wie er im Buche steht. Leider ist der einzige, der aufzutreiben war, unser alter Bekannter, der Zauberer Rincewind. Begleitet wird er wie stets von Truhe, seinem mobilen Gepäckstück, das mitunter recht ungemütlich werden kann. Mit einem solchen Gefährt sind seinen möglichen Fehlschlägen keine Grenzen gesetzt.
Nach einem recht hübschen und stilvollen Prolog, in dem auch TOD auftritt, findet sich der spielwillige Betrachter Rincewind in seinem Gemach in der Unsichtbaren Universität vor. Er wird unsanft geweckt und zum Chef, dem Erzkanzler, gerufen. Beim Aufwachen und Durchstreifen der Uni-Gemäuer erkundet Rincewind seine Umgebung. Wie in Spielen allgemein üblich, sind gewisse Objekte mit Namen und Hot Spots versehen, auf die der Spieler klickt. Dadurch erhält er je nach Klicktyp Informationen oder Aktionen. Rincewind erläutert seine Umgebung mit der sympathischen Synchronstimme von Tom Hanks ("Forrest Gump"), während seine Schicksalsgenossen z.B. mit den Stimmen von Eric Idle ("Monty Python"), Bill Murray oder gar Jürgen Manger (aus'm Ruahpott, nä) aufwarten.
Wir - Rincewind und der Spieler - stoßen auf ziemlich schräge Gestalten, wie man das von der Scheibenwelt erwarten darf. In der Küche waltet z.B. ein rabiater Koch seines Amtes, das im Hochwerfen von Pfannkuchen besteht. Im Speiseraum mümmeln mehrere angegraute Zaubererkollegen an undefinierbaren Speisen und äußern ihre eigentümlichen bis eigenartigen Ansichten. Die Bibliothek wird von einem neurotischen Orang-Utan verwaltet, der aber nicht als "Tier" bezeichnet werden darf, bei Gefahr für Leib und Leben. In der Bibliothek wird der Spieler zum erstenmal mit dem Phänomen des L-Raums bekannt gemacht, der das Zeitreisen aus einer Library (daher "L"-Raum) heraus ermöglicht.
Die Szenenbilder sind sehr gelungen und entsprechen den Leservorstellungen bis ins Detail, da der Illustrator der bekannten Buch-Cover der gleiche Künstler wie für die Szenenhintergründe ist: Josh Kirby. Bei der Übersetzung der Spielanleitung, einem liebevoll illustrierten Bändchen, hat der Übersetzer der Pratchett-Bücher, Andreas Brandhorst, mitgewirkt. Dennoch enthält sie natürlich keine Hinweise auf Lösungen von Rätseln wie etwa dem L-Raum oder darauf, wie Rincewind die ummauerte Uni verlassen kann. Hier ist der Spieler auf Erfahrung und/oder Scharfsinn angewiesen.
Da der Tester über keinerlei Scharfsinn verfügt, ist ihm bzw. Rincewind auch die Überwindung der Uni-Mauer verwehrt geblieben. Aller Erfahrung nach hätte der Einsatz des antiken Flugvehikels namens Hexenbesen helfen müssen, aber vielleicht muß man dafür ein Zauberer bzw. eine Hexe sein, jedenfalls "funktionierte das nicht" - der Standardspruch, wenn etwas (noch) nicht geht.
Insgesamt sorgt das Spiel für angenehme Kurzweil und hin und wieder für einen Lacher. Grafik, Sound und Spielanleitung sind gut gelungen. Die Grundeinstellungen lassen sich konfigurieren, der Spielstand speichern und laden. Systemvoraussetzungen sind ein PC mit CD-Laufwerk und Soundblaster- bzw. Adlib-kompatibler Soundkarte. Unter Windows 95 funktionierte die Installation der Treiber einwandfrei; da sie auf DOS-Ebene abläuft, dürfte das auch unter Windows 3.1x klappen. Der Preis liegt in einer für solche Spiele üblichen Höhe. Der Hersteller plant bereits die Version 2.0 für dieses Jahr (siehe Besprechung).
Michael Matzer(c)2000ff
Info: Discworld; Hersteller: Psygnosis/Sony Electronic Publishing; Preis: 99,95; CD-ROM für PC; erhältlich im Fachhandel