Versklavte Amerikaner

Robert A. Heinlein: Farnhams Oase

Dieser Erwachsenenroman stellt die Verhältnisse, wie sie zur Zeit seiner Entstehung Anfang der sechziger Jahre zwischen den Rassen in den USA herrschten, auf den Kopf. So zeigt Heinlein mit verstecktem moralischen Zeigefinger, worunter die schwarze Bevölkerung im reichsten Land der Erde zu leiden hat. Es ist aber auch ein rassistischer Roman.

Handlung

Farnham, ein umsichtiger Makler, hat vorgesorgt. Er überlebt mit sechs Gefährten (Männer und Frauen und eine Katze) einen atomaren Angriff, weil er sich in Friedenszeiten bereits einen Bunker gebaut hat.

Doch sein scheinbar so sicherer Bunker wird in eine Welt der Zukunft geschleudert. Zunächst glauben die sechs geretteten Amerikaner (+ Katze) das große Los gezogen zu haben: Freie, unberührte Natur breitet sich vor ihnen aus. Da mag man gerne Babys zur Welt bringen, und die junge Tochter Karen tut das auch - ein Kind, das noch in der alten Welt gezeugt wurde. Sie stirbt bei der Geburt, das Kind einen Tag später. Karens Freundin Barbara läßt sich mit Karens Vater ein. Der Alte wendet sich von seine dem Alkohol ergebenen Frau ab. Diese und ihr gemeinsamer Sohn Duke wollen sich von den anderen trennen, als sich alles ändert.

Dann aber taucht eines Tages Ponse mit seinem Schweber auf, ein farbiger Sklavenhändler, und die Zeitreisenden werden in seinen gigantischen Palast geführt - als Gefangene. Dort müssen sie rackern und schuften für einen Hungerlohn, wie alle anderen 2000 Sklaven. Dieser neuen Welt mit ihren gezüchteten Sklaven (Diener, Beischläferinnen, "Bullen", Kastraten) müssen sie sich anpassen. Man betet den "Großen Onkel" an und ißt Menschenfleisch. Farnhams Frau wird "Bettwärmer" des Ponse. Farnhams Sohn Duke kommt nach einiger Zeit auf ihren Wunsch zu ihr; Duke wurde kastriert, und er ergibt sich dem permanenten Rausch. Barbara, Farnhams Ex-Geliebte, wird von Zwillingen entbunden (die vom alten Farnham sind).

Farnham selbst genießt als Übersetzer einiger geretteter Bücher bald Ansehen bei Ponse. Der Ex-Diener Joe wird als Angehöriger der schwarzen Rasse in die Oberschicht aufgenommen. Hugh Farnham, Barbara und die Zwillinge wagen einen Fluchtversuch, der jedoch scheitert. Daraufhin werden sie per Zeitmaschine in die Vergangenheit zurückgeschickt.

Sie erleben dort nochmals den Atomkrieg, überleben ihn auch diesmal und schlagen sich in der folgenden Zeit mit einem Krämerladen durch, den sie "Farnhams Oase" nennen - Schußwaffen verboten.

Fazit

Dieser Roman ist reaktionär, nationalistisch, rassistisch und sexistisch, aber gut lesbar - wenn man von diesen Mängeln mal absieht. Penetrant vertritt Farnhams Figur hier die Law-and-order-Einstellung des weißen amerikanischen Kleinbürgers

Mit diesem Roman zeigt sich auch eine gewisse Obsession bei Heinlein, die von der Vorstellung herrührt, daß die Familie unabdingbar im Zentrum des Lebens eines Menschen stehe - mit einer Vaterfigur als dominierender Konstante. Diese Obsession bedeutet auch, daß Fortpflanzung durch Inzest in Kauf genommen werden muß, bedeutet aber auch Zeitreisen und Alternativwelten, um gesellschaftliche Tabus zu umgehen. Lazarus Long ist eine solche dominierende Vaterfigur, und daher taucht er in Heinleins Spätwerk etliche Male auf, beispielsweise in "Die Zahl des Tiers" (1980). Dieser Patriarch weiß alles besser und hat auch noch im Bett Anspruch auf das jüngste Blut -- eine traumatische Figur, die sich durch fast alle späten Werke des Autors zieht.

Michael Matzer © 2000ff

Info: Farnham's freehold, 1964; Bastei-Lübbe 1994, Nr. 24183, Bergisch Gladbach; 285 Seiten, DM 9,90, aus dem US-Englischen übertragen von Birgit Bohusch und Marcel Bieger; ISBN 3-404-24183-5

 

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