Welt der Telepathie

C.J. Cherryh: Rider at the Gate

Dies ist der erste Band einer Duologie, die in einem neuen Universum und auf einem neuen Planeten spielt und mit "Cloud's Rider" fortgesetzt wird.

Handlung

Auf dem Planeten Finisterre existieren gestrandeten Kolonisten in ihr stark verteidigten Städten wie in Festungen, obwohl um sie herum fruchtbares Ackerland auf die Nutzung wartet. Denn dort draußen in der Wildnis existieren Raubtiere, die sich mit Telepathie verständigen. In ihrer Furcht haben die Städter eine Religion erfunden, die auf Furcht und Unwissenheit basiert. Der einzige Schutz gegen die wahnsinnig machenden Gedanken und Bilder der Mordlust sind die Nighthorses und ihre Reiter. Beide sind verbunden durch Telepathie, verständigen sich mit Hilfe von gesendeten Sinneseindrücken, die mit Emotionen aufgeladen sind. Die Reiter werden von den Pferden, die an den Träumen interessiert sind, gewählt und von ihnen gegen die Gedanken der Raubtiere abgeschirmt. Die Reiter revanchieren sich mit Unterkunft und Nahrung für ihre Gefährten. Die Reiter und ihre Nighthorses machen den Unterschied zwischen Zivilisation und Wahnsinn aus, doch wird dies von den Städtern nicht realisiert. Cherryh stellt die Frage, was passiert, wenn ein Nighthorse, das ja ein Alien ist, wahnsinnig wird.

Der junge Danny Fisher und sein widerspenstiges Nighthorse Cloud lernen noch, miteinander auszukommen, besonders was die Disziplin anbelangt, als in Dannys Heimatstadt Gewalt ausbricht. Eine Reiterin und ihr Pferd werden getötet und die entsetzten Emotionen ihres Geliebten, Guil Stuart, verbreiten sich in Windeseile unter allen Nighthorses. Chaos bricht los; Guil wird mit der Pistole gezwungen, die Stadt zu verlassen.

Verwundet, ohne Proviant oder Waffen, reiten Guil und Burn, sein Hengst mit dem sardonischen Humor, hinaus in heulende Schneestürme, um den Killer zu suchen. Danny und die ängstlichen Verwandten des getöteten Mädchens suchen nach Guil. Doch sie ahnen nichts von dem Feind, der ihnen auf den Fersen ist.

Auf alle Beteiligten wartet ein Tag der Enthüllungen, des Blutvergießens und des Schreckens. Es zeigt sich, daß das Schicksal von Reitern, Nighthorses und der ganzen Welt auf dem Spiel steht.

Fazit

Die Handlung ist im Grunde aus vielen Western bekannt: ein Mord geschieht in einer Grenzstadt und einer reitet aus, um Rache zu nehmen. Allerdings ist das Reittier diesmal mit allen anderen Nighthorses auf dem Planeten verbunden, und ebenso sehr eng mit seinem Reiter. Trifft den Reiter die Kugel, geht der Schock durch den ganzen Planeten. Cherryh zeigt uns die Gedanken und Gefühle der Menschen, wovon viele nicht lesen können oder keine zusammenhängenden Gedanken formen können. Doch durch die Telepathie auf allen Seiten sind alle Wesen miteinander verbunden. Und sollte der Schutzschild der Nighthorses zusammenbrechen, wird die Zivilisation auf Finisterre vor die Hunde gehen.

Dieses Buch ist stellenweise wirklich erschreckend, nicht wegen der Taten an sich, sondern weil der Leser so nahe an das Erleben der Charaktere herangeführt wird, daß ihm ist, als erleide er die Taten und ihre emotionalen Nachwirkungen selbst. Das ist wahrer Horror!

Hinzukommt natürlich die ungemein spannende Krimihandlung in dem Buch: wer ist der geheimnisvolle Mörder? Und wird es Guil Stuart gelingen, ihn zu stellen und das Rätsel des Mordes zu lösen, geschweige denn seine Geliebte zu rächen?

Ein futuristischer Neo-Western, kombiniert mit einem Rätselkrimi und esoterischer Telepathie - diese Kombination kann nur Cherryh mit Erfolg realisieren.

Michael Matzer © 2000ff

Info: Rider at the Gate, 1995; 423 Seiten, ISBN 0-340-63828-1.

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