Liebevolle Kabbeleien

»Der Schwertmagier« von Jennifer Roberson

"Der Schwertmagier« bildet als vierter Band den krönenden Abschluß von Jennifer Robersons Fantasy-Tetrologie um die beiden liebenswerten Schwerttänzer Del und Tiger. Sie sind ein Beispiel dafür, wie sich Charaktere im Verlauf der Handlung grundlegend ändern können. Tiger, der berühmteste Schwertkämpfer der Südlande, wandelt sich unter Dels Einfluß vom hitzköpfigen Macho zum verständnis- und respektvollen Partner. Aus Del wird statt der rachebesessenen stolzen »Feministin« eine liebevolle Lebenspartnerin, ohne dabei an Kampftüchtigkeit einzubüßen. Daß beide fortwährend ihren Stolz gegeneinander verteidigen, führt oft zu drolligen, aber mitunter auch ernsten Kabbeleien zwischen den beiden - für Langeweile ist in Robersons Büchern kein Platz.

Im dritten Band der Reihe zieht Tiger mit Del in die Grenzlande, wo sie den Magier Chosa Dei besiegen. Leider gelingt es dessen Geist, in Tigers Klinge Zuflucht zu finden. Chosa Dei versucht fortan, Tigers Körper und Geist in Besitz zu nehmen, um sich auch an Del rächen zu können, die ihn demütigte. Dieser Kampf wird bis zum Ende des vierten Bandes in dramatischer und psychologisch gut dargestellter Form geführt.

Daß das Paar wieder in den Süden fliehen muß, liegt daran, daß Del bei der Erfüllung ihrer Rache den vermeintlichen Messias der Wüstenstämme umbringt. Solche Tat hat böse Folgen: Jeder hat es auf die beiden abgesehen. Chosa Dei steht kurz davor, Tiger vollends zu übernehmen, und um ihn zu vernichten, folgt Tiger einer Vision und begibt sich mit Del zu einer Berghöhle, in der seit Urzeiten der Geist von Chosas Bruder und Erzfeind Shaka Obre haust. In einem dramatischen Finale kämpfen die beiden als Stellvertreter der Magier gegeneinander, bis Chosa in Dels Schwert eindringt und sie das jetzt lebensgefährliche Schwert in einer Felsspalte zerbrechen kann (daher der O-Titel).

Tiger findet einen Weg, die Zerstörung des Landes rückgängig zu machen. Dennoch können beide nicht bleiben - ein Segelschiff trägt das sich weiterhin kabbelnde Paar einem hoffnungsvollen Sonnenaufgang entgegen.

Eine Autorin, die die Beziehung zwischen Mann und Frau ebenso überzeugend darstellen kann wie einen Schwertkompf, und das Ganze auch noch mit einer leichten Prise abgeklärter Ironie versehen kann, ist der weiteren Beachtung wert. Jennifer Robersons nächstes Buch, das bei Goldmann erscheinen soll, steht schon auf meiner Wunschliste: "Herrin der Wälder".

Michael Matzer (c)2000ff

Info: Jennifer Roberson, Der Schwertmagier (Sword-Breaker, 1991); Heyne SF 06/ 5178, München, 1995; 494 S., DM 16,90; Aus dem Amerikanischen von Karin König.

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