Schwerttänzer-Zyklus

Jennifer Roberson: Schwerttänzer, Schwertsänger, Schwertmeister

Mit den Romanen um Tiger und Del bringt Heyne eine weitere erfolgreiche Fantasy-Serie auf den deutschen Markt. Doch basiert sie weder auf einem Rollenspiel à la Battletech oder "Das Schwarze Auge", noch kommt sie als Massenware à Drachenlanze oder als Shared World à la Shadowrun daher. Nein, der Schwerttänzer-Zyklus ist völlig eigenständig. Umso höher ist die Leistung der Autorin einzuschätzen, die nicht nur das Handwerk des Schreibens, sondern offenbar auch die Kunst des Schwertkampfs beherrscht, so sachkundig beschreibt sie die Materie.

Die Welt dieser Romane ist von Gegensätzen bestimmt: Sie ist in die kalten Nordregionen und die heißen Südlande aufgeteilt. Während im Norden die Stellung der Frau als dem Mann gleichberechtigt gesehen wird, ist im Süden das Gegenteil der Fall. Unter der Frau stehen nur noch Tiere und Sklaven, über ihr jeder Mann. Da schneit eines Tages die blonde, junge Schwertkämpferin Del in ein Kaff am Rande der südlichen Wüste herein und heuert den Schwerttänzer Tiger für die Suche nach ihrem entführten Bruder an. Im Laufe der Reise durch die Wüste besteht das ungleiche Paar – der Macho und die selbstbewußte Frau – etliche Gefahren, gerät in Gefangenschaft, verdurstet beinahe und wird gerettet.

Nur der eiserne Wille, ihren Bruder zu finden, bringt Del zum Durchhalten. Allmählich findet Tiger heraus, daß sie ihre gesamte Familie außer dem Bruder verloren hat, daß sie im Schwertkampf ausgebildet ist und ihr verzaubertes Schwert schon das Blut einiger Leute getrunken hat. Bei einem solchen Menschen ist Vorsicht angebracht, findet er. Doch seine Achtung und Liebe für sie wachsen, bis sie ihn aus der Sklaverei befreit und sie zusammen ihren Bruder finden: Er lebt als kastrierter und gehörloser Sklave bei einem Nomadenstamm. Del verzichtet schweren Herzens darauf, ihn zurückzuholen und reitet nach Hause. Vor die Wahl gestellt zwischen einem ereignislosen Leben in der Wüste und weiteren Abenteuern mit Del im Norden, entscheidet sich Tiger für Del. (Soweit die Handlung des 1. Bandes.)

Nimmt man die Abenteuer, die die beiden ungleichen Helden zu bestehen haben,als willkommene, aber im Grunde selbstverständliche Zutat eines Fantasyromans, dann steht im Vordergrund die Beziehung zwischen der selbstbewußten Del und dem Macho Tiger. Interessant ist es zu verfolgen, wie sich beide verändern und somit eine ganz andere Art von Beziehung definieren, als sie zwischen Arbeitgeber(in) und Arbeitnehmer oder zwischen Mann und Frau bestehen würde. Es entwickelt sich Partnerschaft, und das ist es letzten Endes, was Tiger dazu bewegt, Del in den kalten Norden zu folgen. Diese humane Komponente, stilvoll dargeboten, macht Jennifer Robersons Zyklus zu einem Erlebnis. Man darf auf die weiteren Bände gespannt sein, die in Vorbereitung sind. (Es erschien auf deutsch nur noch ein weiterer Band.)

Michael Matzer ©2000ff

Info: Sworddancer/Swordsinger/Swordmaster; Heyne, Nr. 06/5072-74, 1993, versch. Umfänge, 14,90 bzw. 16,90, aus dem Amerikanischen von Karin König

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