Fehde der Kauffahrer
C.J. Cherryh: Tripoint
Wie bereits "Kauffahrers Glück" und "Finity's End", so ist auch "Tripoint" ein Roman, der im Umfeld der Kauffahrer spielt, die mit ihren Familienschiffen die Verbindungen zwischen den Welten herstellen. Diese Familien stehen in hartem Wettbewerb um Transportkontrakte miteinander...
Handlung
An Bord der "Sprite", die der Hawkins-Familie gehört, hegt Frachtleiterin Marie Hawkins einen persönlichen Groll gegen Austin Bowe, den Kapitän des Rivalen "Corinthian", der sie vor 23 Jahren zusammengeschlug und vergewaltigte. In ihrer rachsüchtigen Besessenheit - sie hat keine Gerechtigkeit erlangt - will Marie Austins Ruin herbeiführen, indem sie beweist, daß sein Schiff illegalen Handel mit Piraten und Schmugglern treibt.
Als beide Schiffe an der Mariner-Raumstation andocken, holt sie zum Schlag aus. Doch um ihr Wohlergehen besorgt, stört ihr Sohn Tom - den sie von Austin hat - ihre Pläne, nur um für seine Mühe durch seinen Halbbruder Christian für die "Corinthian" shanghait und eingesperrt zu werden. Tom hatte nie zuvor von seinem Halbbruder gehört, und die Crew, die er vorfindet, ist seinem Vater fanatisch ergeben.
Während eine verzweifelte Marie ihren Captain dazu überredet, die "Corinthian", die inzwischen abgehauen ist, zu verfolgen, werden beide Schiffe von einem Piraten beschossen. Tom gewöhnt sich an das Leben an Bord des Austin-Schiffes, das weder so gefährlich noch so unangenehm ist, wie es ihm seine Mutter ezählt hatte. Als sozialer Außenseiter steckt jedoch Tom genau im Konflikt zwischen den beiden Schiffen und hält, ohne es zu ahnen, beider Schicksal in der Hand. Um sie alle zu retten, muß er seinem geschworenen Feind vertrauen, seinem Vater. Und er lernt Capella kennen, eine Frau voller Überraschungen...
Fazit
Cherryh erforscht den Begriff der Familie in ferner Zukunft, wenn die Zugehörigkeit zu einer Familie davon abhängt, auf welchem Schiff man geboren wurde. Sie erkundet zudem den Begriff des Verbrechens in einem Zeitalter, da jedes Schiff seine eigene Nation darstellt. Man fühlt sich wie in die italienische Renaissance oder das klassische Griechenland zurückversetzt, als sich selbst die kleinsten Stadtstaaten bekriegten. Vielleicht sollte man die Rivalin des "Korinthers" in "Sparta" umtaufen?
Viel Gewalt, viel innerer Monolog beeinträchtigen das Vergnügen, das lebhaft gezeichnete Charaktere und ein stabiler, spannender Plot bereiten. Insgesamt befindet sich "Tripoint" auf dem Standard der vorangegangenen Romane "Höllenfeuer" und "Schwerkraftzeit". Der innere Monolog ist jedoch ein Markenzeichen von Cherryhs Stil und somit unverzichtbar! Dieses Stilmittel erlaubt es dem Leser, direkt in die Köpfe der Handelnden zu blicken und mitzufühlen. Da sich aber in den Köpfen so viele Dinge in komplizierter Beziehung zueinander befinden und die Erzählerin dies alles in schneller Folge auf den Leser losläßt, ist es sehr ratsam, selbst einen klaren Kopf zu haben, wenn man dieses Buch (und jeden anderen Cherryh-Roman) beginnt.
Wie zu hören ist, will Heyne auch diesen Roman veröffentlichen; dies kann laut Programmvorschau (s. dort) erst ab 11/2000 erfolgen.
Michael Matzer © 2000ff
Info: Tripoint, 1994; 361 Seiten, ISBN 0-446-60202-7.