Trick siebzehn

Harlan Ellison: Mephisto im Onyx

Dharlan Ellison wurde zur zeit der New Wave in der SF mit bilderstürmenden und tabubrechenden Stories bekannt und zehrt in der SF-Gemeinde noch vom damaligen Ruhm. Als Mensch ist er als einer der wütendsten und rücksichtslosesten Kritiker bekannt und gefürchtet. Sowohl das Vorwort von Comicbook-Autor Frank Miller als auch der nachgestellte Essay von Herausgeber Sky Nonhoff beleuchten Werk und Person von Ellison in ausreichender Weise in dessen neuestem Buch "Mephisto in Onyx". Die Novelle wurde 1994 mit dem Bram Stoker Award der Horror Writers of America ausgezeichnet und ist Dean R. Koontz gewidmet - da weiß der Eingeweihte gleich, welcher Art der Stoff ist, den er sich hier reinzieht.

Der Telepath Rudy Paris läßt sich von einer alten Flamme, die jetzt Staatsanwältin ist, dazu überreden, sich einen mutmaßlichen Killer anzusehen, der in der Todeszelle sitzt. Hat dieser Henry Lake Spanning tatsächlich die scheußlichen Morde gegangen, für die er auf den elektrischen Stuhl kommen soll? Nur ein Telepath wie Rudy könnte die Wahrheit herausfinden. Rudy erlebt zu seinem Leidwesen eine Überraschung: Auch der Killer ist ein Telepath...

Die Novelle wird in einem hard-boiled-Ton erzählt, der am besten zum Thema paßt wie ein Film der Schwarzen Serie zu den Vorgängen im Chicago der 30er Jahre. Der abgeklärte Rudy erscheint dem Leser, als könnte er mit allem Bösen unter der Sonne fertig werden. Umso größer sind Überraschung und Suspense, als sich der Killer als Rudy ebenbürtig erweist.

"Mephisto im Onyx" ist eine effektvoll und stilsicher erzählte Serienkiller-und-Telepathen-Story, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Zur Zeit [1996] versucht Stephen King, es Ellison mit seiner "Green Mile"-groschenroman-Serie nachzumachen. No chance, Steve!

Michael Matzer ©2000ff

Info: Mefisto in onyx, 1994; Goldmann, 1996, 128 Seiten, DM 9,90, aus dem Amerikanischen von Thomas Tebbe; Vorwort von Frank Miller; Essay von Sky Nonhoff.

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