Martin Greenberg (Hg.)

Die Erben des Rings - JRR Tolkien zu Ehren

In 19 Geschichten entrichten vor allem amerikanische AutorInnen dem großen Meister Tolkien ihren Tribut, mal mehr, mal weniger gut. Jeder Story ist eine hübsche Vignette von Johann Peterka vorangestellt, der ja auch die Bände von "Das Rad der Zeit" illustriert.

Der vier Jahre alte Erzählband bietet einen halbwegs repräsentativen Querschnitt durch das Fantasy-Genre. Da wäre zunächst die Pratchett-Fraktion. Zu ihnen zählen Pratchett, Malzberg, Mike Resnick, Dennis L. Kiernan - sie bürsten die Fantasy-Klischees gegen den Strich und feiern humorvolle Rebellion, ohne jedoch Genreregeln ernsthaft zu verletzen. Am anderen Ende des Spektrums stehen die ernsthaften (Ent-) Mystiker, allen voran Robert Silverberg, der den Messias alt verschollene Leiche unter dessen Tempel entlarvt; E. A. Scarborough in "Der Drache von Tollin"; Andre Norton, die erprobte Hexenschilderin; Jane Yolen in "Der Winterkönig", die eine andersartige Menschenspezies zeigt.

Mit der "Moral von der Geschicht’" aufwarten können Stephen Donaldson mit "Reave der Gerechte" (der Titel verrät schon alles), die Andersons mit "Hoffnung" (Kinder brechen aus der Gefangenschaft der Kobolde aus) und Patricia McKillip, die in "Drachenschwestern" von der Dummheit mancher Helden und Heldinnen im Angesicht von Rätseln, Drachen und Hexen zu erzählen weiß. Harry Turtledove macht aus der Missionierung der Barbaren eine hochpolitische Angelegenheit, mit tiefen Einsichten aus der Sicht der "Barbaren".

Fantasy als Realismus mit anderen Mitteln? John Brunner und Charles de Lint machen es vor. Brunners "Zeit der Brunnensegnung" ist eine exzellent erzählte Geschichte über einen psychisch kranken Kriegsheimkehrer, der bei den Bräuchen des englischen Hinterlandes eine geistige wie auch die soziale Heimat wiederfindet. De Lint schreibt wie in seinem Bestseller "Das vergessene Volk" (Heyne) von magisch anmutenden Gestalten, die uns skeptischen Zeitgenossen doch etwas von notwendigem Wert zu geben haben - in der Geschichte "Der Zaubermann" ist es die Gabe des Erzählens, der Schaffens von Wissen aus Legenden.

Die innovativste Geschichte stammt von Gregory Benford, der eigentlich für seine Hardcore-SF bekannt ist. Bizarre physikalische Bedingungen bestimmen denn auch die Welt, die er in "Den Strom hinab" schildert: Wasserstoff ist metallisch, Eisen flüssig, die Welt eine runde Röhre wie ein Schlauch, die von einem Quecksilberfluß durchströmt wird. Hier erlebt der Waise John seltsame Abtenteuer auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater. Zwar nicht ganz jugendfrei in der Sprache, aber wirklich interessant!

"After the King" ist eine gelungene Anthologie für jeden Fantasy-Geschmack.

Michael Matzer (c)2000ff

Info: After the king, 1992, Bastei-Lübbe Nr. 13803, Bergisch-Gladbach 1996, 637 Seiten, aus dem Englischen von diversen Übersetzern, DM 15.

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